Wie intelligentes Energiemanagement den Netzausbau reduziert – Ergebnisse der HTW-Studie 2025

Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet voran, gleichzeitig werden Wärmepumpen, Batteriespeicher und Elektroautos zur neuen Normalität. Viele fragen sich: Belasten wir damit das Stromnetz – oder können smarte Energiemanagementsysteme es sogar entlasten?

Eine neue Studie der HTW Berlin liefert darauf klare Antworten – und die Ergebnisse sind gerade für private Haushalte hochinteressant.

Prosuming statt Netzbelastung: Was wurde untersucht?

Die Forscher analysierten 57 reale Haushalte und simulierten verschiedene Kombinationen aus:

  • Photovoltaik (10 kW)
  • Batteriespeicher (10 oder 20 kWh)
  • Wärmepumpe
  • Elektroauto
  • Intelligentes Energiemanagement

Ziel war herauszufinden, ob PV-Anlagen zusätzlichen Netzausbau verursachen – oder ob sie durch kluge Steuerung sogar entlasten können.

Zentrales Ergebnis: Smarte Energiesteuerung reduziert Netzbelastung deutlich

Die wichtigsten Erkenntnisse:

✔ Voll ausgestattete Prosumer-Haushalte nutzen das Stromnetz am effizientesten

Laut Studie benötigen Haushalte mit PV, Batterie, Wärmepumpe, E-Auto und smartem Energiemanagement keinen zusätzlichen Netzausbau, der nicht ohnehin wegen Wärmepumpen und E-Autos nötig wäre.

✔ Größere Speicher senken Netzspitzen um bis zu 25 %

Ein Speicher mit 20 kWh statt 10 kWh reduziert die maximale Transformatorlast um ein Viertel – ohne zusätzlichen PV-Verlust durch Abregelung.

✔ Batterien können sowohl Verbrauchsspitzen als auch PV-Spitzen abfangen

Dadurch werden Lastspitzen geglättet, was den Netzausbaubedarf deutlich senkt.

Warum Wärmepumpen das Netz stärker belasten als E-Autos

Die Studie zeigt:

  • Wärmepumpen laufen vor allem im Winter gleichzeitig in vielen Haushalten.
  • Dadurch erzeugen sie hohe Spitzenlasten am Netz.
  • Elektroautos haben geringere Gleichzeitigkeit und belasten das Netz weniger stark.

Dies wird in der Studie klar dargestellt: WP erhöhen die Spitzenlast deutlich, EV vergleichsweise wenig.

Für Energiemanagement bedeutet das:
Wer eine Wärmepumpe besitzt, profitiert besonders von einem Speicher und einem klugen Lastmanagement.

PV-Anlagen benötigen mit variablem Einspeisemanagement nicht ihre volle Nennleistung

Ein spannendes Ergebnis: PV-Anlagen benötigen bei intelligentem Speicherbetrieb nur 60 % ihrer installierten Leistung als Einspeisegrenze.

Das bedeutet:
Die Netze müssen nicht mehr für 10 kW Einspeisung pro Haushalt ausgelegt werden, sondern oft nur für 6 kW – eine enorme Entlastung.

Wie Batterien das Netz entlasten – anschaulich erklärt

Die Studie zeigt den Batterie-Algorithmus:

  • Ab einem bestimmten Ladezustand wird der Netzbezug begrenzt.
  • Bei hohen PV-Leistungen nimmt der Speicher überschüssige Energie auf.
  • Bei hoher Haushaltslast gibt der Speicher Energie ins Haus oder sogar ins Netz zurück.

Der Effekt:
Das Netz sieht nur „geglättete“ Lastkurven statt extremer Spitzen.

Die Grafiken in den Ergebnisteilen zeigen deutlich:

  • Im Sommer: hohe Einspeisung, kaum Bezugsbedarf
  • Im Winter: hoher Bezug, kaum Einspeisung

Genau diese saisonale Entzerrung macht Prosuming planbarer für Netzbetreiber.

Transformatoren sind selten das Problem – wenn Energiemanagement wirkt

Eine detaillierte Analyse der Transformator-Temperaturen zeigt:

  • Ein 160-kVA-Trafo kann in fast allen Szenarien betrieben werden.
  • Die Alterung bleibt unter kritischen Werten.

Nur bei ungeregelten Szenarien treten Grenzwertüberschreitungen auf – was zeigt, wie stark Energiemanagementsysteme zur Netzstabilität beitragen.

Fazit für Privatpersonen: Energiemanagement lohnt sich mehrfach

Es lassen sich klare Aussagen ableiten:

1. PV-Speicher-Haushalte sind keine Netzbelastung – im Gegenteil.
Sie reduzieren aktiv die Spitzenlasten.

2. Größere Speicher sind nicht nur für Autarkie interessant, sondern auch für die Netzverträglichkeit.

3. Wärmepumpen profitieren besonders von intelligenten Speichern und Energiemanagement.

4. Mit Prosuming-Konzepten können PV-Zubau und Wärmewende ohne übermäßigen Netzausbau gelingen.

Was bedeutet das für Ihren Haushalt?

Mit einem Energiemanagementsystem, das PV-Anlage, Speicher, Wärmepumpe und ggf. Elektroauto koordiniert, erreichen Sie:

  • Höhere Eigenverbrauchsquote
  • Geringeren Netzbezug
  • Niedrigere Lastspitzen
  • Bessere Planung für künftige Stromtarife
  • Einen wertvollen Beitrag zur Stabilität Ihres lokalen Stromnetzes

Oder anders gesagt: Sie sparen Geld, machen sich unabhängiger – und entlasten gleichzeitig das Stromnetz.

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