Kombination von Mieterstrom mit E-Mobilität: Ladestationen für die WEG

Die Energiewende findet nicht nur auf dem Dach statt – sondern zunehmend auch in der Tiefgarage. Für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) entsteht durch die Kombination von Mieterstrom und E-Mobilität eine wirtschaftlich wie ökologisch hochattraktive Lösung: Solarstrom vom eigenen Dach versorgt direkt die Ladestationen im Gebäude.

Doch wie funktioniert das konkret? Und welche Vorteile ergeben sich für Eigentümer, Bewohner und Verwalter?

Mieterstrommodelle ermöglichen es, Solarstrom vom Dach direkt an die Bewohner eines Mehrfamilienhauses zu liefern – ohne Umweg über das öffentliche Netz. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Ladeinfrastruktur in Wohngebäuden stetig.

Die Synergie liegt auf der Hand:

MieterstromElektromobilitätGemeinsamer Vorteil
Lokale PV-ErzeugungHoher StrombedarfDirekte Nutzung vor Ort
Günstigere StromgestehungskostenPlanbare LadezeitenWirtschaftliche Optimierung
CO₂-EinsparungEmissionsfreie MobilitätMaximale Klimawirkung

Wichtig: Ein Elektrofahrzeug erhöht den Stromverbrauch eines Haushalts deutlich – typischerweise um 1.500–2.500 kWh pro Jahr. Diese zusätzliche Nachfrage verbessert die Eigenverbrauchsquote der PV-Anlage – und damit die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts.

In einer WEG mit PV-Anlage entstehen drei Stromflüsse:

  1. Direktverbrauch in den Wohnungen
  2. Versorgung der Allgemeinflächen (Hausstrom)
  3. Versorgung der Ladepunkte

Die Ladeinfrastruktur wird dabei:

  • entweder in das Mieterstrommodell integriert
  • oder separat mit lokalem PV-Strom versorgt
  • optional ergänzt durch einen Batteriespeicher
  • steuerbar über ein intelligentes Lastmanagement

Ein zentrales Element ist das dynamische Lastmanagement. Es sorgt dafür, dass:

  • Netzanschlussgrenzen eingehalten werden
  • mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden können
  • PV-Überschüsse priorisiert in die Fahrzeuge fließen
  • Spitzenlasten vermieden werden

Gerade in Bestandsimmobilien mit begrenzter Anschlussleistung ist das entscheidend.

Höhere Eigenverbrauchsquote

Ohne E-Mobilität liegt die Eigenverbrauchsquote einer PV-Anlage im Mehrfamilienhaus häufig bei 30–50 %.
Mit Ladeinfrastruktur kann sie deutlich steigen.

Mehr Eigenverbrauch bedeutet:

  • weniger Einspeisung zum niedrigen EEG-Vergütungssatz
  • höhere Wirtschaftlichkeit
  • bessere Amortisation

Zusätzliche Erlösmodelle

Die WEG kann:

  • Ladeinfrastruktur betreiben und Strom verkaufen
  • Stellplätze mit Wallbox höher vermieten
  • ein separates Abrechnungsmodell nutzen
  • einen externen Betreiber einbinden

Seit der Reform des Wohnungseigentumsgesetzes gilt:

  • Jeder Eigentümer hat grundsätzlich Anspruch auf Zustimmung zur Installation einer privaten Ladeeinrichtung.
  • Die Gemeinschaft kann eine einheitliche, zukunftsfähige Gesamtlösung beschließen.
  • Gemeinschaftliche Ladeinfrastruktur ist häufig wirtschaftlich sinnvoller als Insellösungen.

Wichtig ist eine klare Regelung zu:

  • Investitionskosten
  • Betriebskosten
  • Wartung
  • Abrechnung
  • Rückbau

Hier empfiehlt sich ein strukturiertes Beschlusskonzept.

Modell 1: Volle Integration ins Mieterstrommodell

  • PV-Strom wird an Haushalte und Ladepunkte geliefert
  • Einheitliche Abrechnung
  • Hohe Komplexität, aber maximaler Nutzen

Modell 2: Separates Lade-Modell mit PV-Vorrang

  • Ladepunkte als eigener Abrechnungsbereich
  • PV-Strom wird anteilig zugeordnet
  • Flexiblere Gestaltung

Modell 3: Contracting-Modell

  • Externer Anbieter investiert
  • WEG stellt Dach und Infrastruktur
  • Geringeres Risiko, aber weniger Rendite

Die Kombination aus Mieterstrom und E-Mobilität bietet:

  • Steigerung des Immobilienwerts
  • Zukunftssicherheit
  • Attraktivität für neue Eigentümer und Mieter
  • Beitrag zur ESG-Strategie
  • Unabhängigkeit von steigenden Energiepreisen

Insbesondere für größere Wohnanlagen entsteht hier ein echter Wettbewerbsvorteil.

Damit das Modell funktioniert, sollten folgende Punkte frühzeitig geklärt werden:

  • Netzanschlusskapazität prüfen
  • Skalierbare Ladeinfrastruktur planen
  • Reserven für zukünftige Ladepunkte vorsehen
  • Intelligentes Messkonzept integrieren
  • Fördermöglichkeiten prüfen
  • Transparente Kommunikation in der Eigentümerversammlung

Die Verbindung von Mieterstrom und E-Mobilität ist kein Zusatzprojekt – sie ist die logische Weiterentwicklung.

Für WEG entsteht ein System, bei dem:

  • Solarstrom direkt im Gebäude genutzt wird
  • Mobilität lokal und klimafreundlich erfolgt
  • Wirtschaftlichkeit verbessert wird
  • Immobilienwert steigt

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